Bestandsaufnahme einer blühenden Wirtschaft

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Eine wichtige Stadt im Herzen Deutschlands und in Europa war jahrhundertelang Magdeburg. Schon bevor die Stadt an der Elbe in der Bombennacht am 16. Januar 1945 zerstört wurde, war Magdeburg ein bedeutender Industriestandort – nicht zuletzt wegen ihrer verkehrstechnisch zentralen Lage. Das machte sich bereits im 19. Jahrhundert bemerkbar. Egal ob innerstädtisch – mit großen Warenhäusern, kleinen Geschäften und privaten Handwerksbetrieben – oder mit großen Industrieunternehmen: in den neuen Stadtteilen hatte Magdeburg etwas zu bieten.

Marktgeschehen auf dem Alten Markt
Marktgeschehen auf dem Alten Markt.

 

Grund für die Ansiedlung bedeutender Unternehmen war der gute Börde-Boden. Die Landwirtschaft rund um Magdeburg verdiente gut, die Bauern konnten sich früh Maschinen leisten – die in Magdeburg entwickelt und gebaut wurden.  Aus dem Landmaschinenbau entwickelte sich später der allgemeine Maschinenbau. Andere Unternehmen folgten. 1886 entstand die weltweit erste Süßstofffabrik „Fahlberg-List“ in Magdeburg, die den von Unternehmensgründer Constantin Fahlberg entdeckten synthetischen Zuckerersatz Saccharin herstellte. Zu einem der  bedeutendsten Unternehmen Deutschlands entwickelte sich auch das Gruson’sche Maschinenwerk in Magdeburg-Buckau. Die Konjunktur zog in den 1930er Jahren wieder an.  Die Aufrüstung, mit der die Nationalsozialisten seit Mitte der 30er begannen, schuf Arbeitsplätze – auch wenn die Finanzierung auf Sand gebaut war. Die Nationalsozialisten veränderten die Stadt und das Leben in ihr ab Kriegsbeginn immer mehr.

 

Unter der Parole „Kanonen statt Butter“ sah das Wirtschaftskonzept der Nazis vor, Magdeburg zu einem der wichtigsten Orte der Rüstungswirtschaft im Land auszubauen. Warum? Ganz einfach: Nicht nur geografisch, sondern auch verkehrstechnisch lag Magdeburg günstig. Neben der Elbe als wichtigem Binnenschifffahrtsweg forcierte die NSDAP den Bau des Mittellandkanals, der 1938 fertiggestellt wurde. Mit der „Reichsstraße 1“ (heutige Bundesstraße 1) führte zudem die längste Straße Deutschlands auf ihrem Weg von Aachen über Berlin bis zum damals preußisch-deutschen Königsberg mitten durch Magdeburg und war schon in den 30er Jahren eine bedeutende West-Ost-Verbindung. Hinzu kam 1937 die damalige „Reichsautobahn“, die heutige A2, sowie der Magdeburger Flugplatz an der Leipziger Chaussee. Die Stadt war nun verkehrstechnisch hervorragend  angebunden und die Nazis konnten alle Rüstungsgüter  schnell zum Ort der Bestimmung  bringen.

Adolf Hitler wollte Deutschland nach seiner Machtübernahme innerhalb von vier Jahren kriegsbereit machen. Also wurden die Anlagen bestehender Unternehmen genutzt, um Waffen zu produzieren. In Magdeburg war diese Umstellung besonders extrem. Das Grusonwerk in Buckau produzierte immer stärker Panzerteile, Anker, Zahnräder und Bauteile  für die Schiffe der Kriegsmarine. Das Magdeburger Junkerswerk, einer der größten Betriebe der Stadt, produzierte Motoren, die in den Kriegsflugzeugen der Nazis zum Einsatz kamen.

Auch neue Produktionsstätten kamen hinzu. Unter anderem entstand die Braunkohle-Benzin AG (kurz „Brabag“) neu und stellte für die Wehrmacht aus Braunkohle Treibstoff her, 1945 war Magdeburg einer der bedeutendsten und Industriestandorte der NS-Wirtschaft.  Magdeburg wurde für die Alliierten dadurch zu einem wichtigen strategischen Angriffsziel. und musste mehrere heftige Bombardementas verkraften.

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Brennende Brabag-Werke.

 

Bis zur Zerstörung der Stadt am 16. Januar hatte Magdeburg von der Aufrüstung profitiert – auch wenn die Meisten das im Nachhinein nicht wahr haben wollten.  Die Arbeitslosigkeit sank und die Bevölkerungszahl wuchs. 1940 lebten fast 350 000 Menschen in Magdeburg. So viele Einwohner sollte die Elbstadt nach dem Zweiten Weltkrieg nie wieder erreichen.

Magdeburgs wirtschaftliche Situation während des Zweiten Weltkrieges war mehr als rosig. Der Autor Paul Lüder entwirft in aller Kürze eine Bestandsaufnahme einer prosperierenden Stadt. Wer mehr über die Entwicklung der Magdeburger Wirtschaftsgeschichte erfahren möchte, sollte einen Blick in die ausführliche Chronik von Prof. Dr. Ilona Wuschig werfen.